• Sami Götz

Inferno Triathlon - beim Saisonhöhepunkt alles aufgegangen


Während der ganzen Saison war bei mir der 23. August immer im Hinterkopf. Beim letzten grossen Trainingsblock (in der Woche des Schaffhauser Triathlons), stand noch die Besichtigung der Rennvelo- und Laufstrecke auf dem Programm. Spätestens dort wurde mir wieder klar, welch’ hohes Ziel ich mir in diesem Jahr für meinen zweiten Start am Inferno Triathlon gesetzt habe: Top Ten.

Die letzte Trainingswoche verlief nach meinen Erwartungen und mit der letzten Massage, bei meinem Masseur Benoît, fühlten sich auch die Beine für die 155km und 5500 Höhenmeter bereit. Enttäuschend war dann noch die Nachricht von meinem Kollegen Ramon Krebs, der wegen eines Virus’ seinen Podestplatz vom letzten Jahr gar nicht zu verteidigen versuchen konnte.

Am Mittwoch begann die Material-Vorbereitungs-Schlacht. Obwohl das ganze eigentlich nicht so ein riesen Ding ist, macht mich die ganze Packerei jeweils ziemlich nervös.

Wenigstens brauchte ich dieses Jahr bei der Verteilung des Materials nicht nervös zu sein, weil Meli zusammen mit Reto die drei Wechselzonen im Berner Oberland mit dem Material belieferten. Und wenn Meli das macht, dann weiss ich sowieso immer, dass alles gut kommt - Danke dir! ;-).

Das 3.1km lange Schwimmen wurde bereits am Freitag vom Veranstalter wegen der kalten Wassertemperaturen abgesagt und eine Ersatzlaufstrecke (3km) ersetzte es. Anfangs war ich ein wenig enttäuscht, weil ich viel Trainingszeit im Wasser verbracht habe und meine Fortschritte im Thunersee unter Beweis stellen wollte. Doch benachteiligt wurde ich dadurch bestimmt nicht, eher im Gegenteil...

Der Wettkampf begann direkt in Oberhofen mit einer 3km Laufrunde. Ich versuchte mit der ersten Gruppe mitzulaufen, um vor allem auf der Velostrecke in "guter Gesellschaft" zu sein. Dies funktionierte prima, ich kam als 6. in die erste Wechselzone und konnte mit einer starken Gruppe aufs Velo steigen. Die Gruppe blieb mehr oder weniger bis Meiringen beisammen und ich fühlte mich bis dort hin auch sehr gut. Ich befand mich also bis dorthin jeweils zwischen Position 3 und 6. Beim 1350hm Daueranstieg auf die Grosse Scheidegg zog sich die Gruppe in die Länge, ich versuchte einfach mein Tempo zu fahren und mich gut zu verpflegen. Beim Aufstieg überholte ich auf einmal Felix Schumann, der an seinem Wechsler mit Klebeband hantierte. Vorne weg waren also noch Sämi Hürzeler, Thomas Philippen, Dirk Pauling und Michael Achermann. Kurz vor der Abfahrt von der Grossen Scheidegg runter in Richtung Grindelwald, schloss ich auf Achermann auf und wir fuhren gemeinsam die schnelle, aber sehr kurvige Abfahrt hinunter ins Tal.

In der Wechselzone Grindelwald versuchte ich möglichst rasch zu wechseln, damit ich mir einen kleinen Vorsprung für den 30km langen Mountainbike Anschnitt über die Kleine Scheidegg herausholen konnte. Dies gelang mir, doch nach der Hälfte des Aufstiegs überholten mich innerhalb von kürzester Zeit gleich drei Athleten. Ich versuchte mich nicht all zu fest davon zu beeindrucken, doch angesichts der schweren Beine, die sich mittlerweile bemerkbar machten, fiel mir dies schwer. Mit dem Vertrauen in mein Bike-Abfahrts-Tempo, konnte ich dennoch kühlen Kopf bewahren. Auf der Kl. Scheidegg angekommen, nahm ich mir kurz Zeit, eine Boullion und drei Bananenstücke einzuwerfen, um dann konzentriert in die rasante Abfahrt einzutauchen. Erst beim Singletrail-Abschnitt fuhr ich auf den Vordermann auf und konnte ihn in einer Linkskurve überholen. Unten auf der Strasse von Lauterbrunnen nach Stechelberg bereitete ich mich dann mental schon mal auf die bevorstehende 25km lange Laufstrecke vor. Das Wechselzelt in Stechelberg verliess ich dann überraschenderweise wieder auf Position 5 – dem schnellen Wechsel sei Dank.

Auf den ersten flachen vier Kilometer fühlten sich meine Beine wieder prächtig an - also so prächtig wie sie sich nach 130km und über 3000hm halt so anfühlen können. Auf einmal rannte einer an mir vorbei, als sei es einer der Team-Läufer. Doch es war Schumann, der es irgendwie doch noch auf die Grosse Scheidegg geschafft haben musste. Ich lief weiter bis zum ersten Anstieg nach Mürren. Bereits nach nur wenigen Kilometern am Berg musste ich ein Stück gehen. Meine Beine und mein Befinden waren doch nicht mehr so prächtig wie gedacht. Irgendwie versuchte ich mir kleine Ziele zu setzten: „Bis zum nächsten Verpflegungsstand, dann gönne ich mir ein Cola“. Beim nächsten Verpflegungsstand gab es aber dann nur Wasser und kein Cola. Da war meine Moral wieder weit im Keller unten. Dann setzte ich mir das Ziel, dass ich mir nach 60min Laufzeit einen Activator von Sponser (Koffein-Shot) gönne. In der Zwischenzeit überholte mich der Deutsche Gunnar Keitzel und ich merkte, dass auch er am leiden war und versuchte mich bei ihm anzuhängen. Bei den steilsten Passagen klappte dies gut, doch bei der Fläche kurz vor Mürren konnte ich sein Tempo nicht mehr mitgehen. In Mürren fühlte ich mich so ziemlich „beschissen“, doch irgendwie musste es ja weiter gehen. Plötzlich kam mir in den Sinn, dass ich mein 60-Min-Goodie (Activator) total vergessen habe und ich „warf“ mal die 200mg Koffein ein. Meli war auch dort und das freute mich, weil ich wusste, wenn ich sie zum nächsten Mal treffe, bin ich im Ziel. Ok, das waren schon noch 8km und über 1000hm, aber „das ist ja nichts, auf die gesamte Strecke gesehen“, sagte ich mir. Nach Mürren lief es wieder ein bisschen besser, vor allem in den steilen Passagen konnte ich zügig gehen und wusste, dass ich dabei nicht zu viel Zeit verliere. Die letzten beiden Motivatoren auf vor dem Schlussteil, waren Rämu und Ändu. Rämu versuchte mich nochmals zu motivieren, möglichst viel zu laufen und so noch einen Platz gut zu machen. Ich gab nochmals alles und sah auf einmal aus dem Nebel den Athleten vor mir, es war der Deutsche, dem ich vor Mürren nicht mehr folgen konnte. Als ich ihn überholte meinte er nur „Game over“, und ich dachte mir „ja, ich auch, aber erst auf dem Schilthorn.“ So nahm ich nochmals die gesamte Energie zusammen (...von wo auch immer...) und bewältigte auch noch die letzten Meter hoch zur Schilthorn-Terrasse.

Und diese erreichte ich als 7., nach 8 Stunden 53 Minuten und 50 Sekunden. Total fertig, aber überglücklich! Herzliche Gratulation an die beiden Sieger, Sämi Hürzeler und Kathrin Müller. Auch Dirk Pauling möchte ich herzlich gratulieren, der die Revanche nach der TNatura Germany mit dem 2. Rang klar für sich entschieden hat! Freue mich auf ein nächstes Duell ;-)

Ich bin sehr, sehr zufrieden mit meiner Leistung – Saisonziel klar erreicht! Und ich weiss auch, woran ich noch arbeiten kann... Nach dem Rennen ist bekanntlich vor dem Rennen... ;-)

Resultate

Abfahrt von Beatenberg nach Unterseen mit bis zu 90 km/h (ich zuhinterst)

#InfernoTriathlon

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